Pathologie von Autoimmunerkrankungen

Es wäre zu einfach, davon auszugehen, dass dem Prozess der Autoimmunerkrankung nur eine einzelne Abnormalität zugrunde liegt. Viel wahrscheinlicher ist, dass mehr als nur ein Mechanismus bei einem Patienten gestört wird, bevor eine Immunantwort eine pathologische Wirkung erfährt und somit zu einer Autoimmunerkrankung führt.


Heterogenität von gewebezerstörenden Mechanismen

Normalerweise umfassen gewebeinfiltrierende Zellen bei Autoimmunentzündungen mehrere unterschiedliche Zelltypen. Neben antigen-spezifischen Lymphozyten bilden auch unspezifische Phagozyten, Granulozyten, Fibroblasten und andere Zellen einen Teil der Läsion. Es wäre zu einfach, wenn man nur einen einzelnen Prozess der Gewebeaggression erwarten würde. Das angegriffene Gewebe antwortet auf die Verletzung mit einer Reihe von Maßnahmen, die der Gewebezerstörung entgegen wirken oder diese verstärken. Die aufeinander abgestimmten Schritte der verschiedenen Zelltypen bei der Zerstörung von intaktem Gewebe können eine pathognomonische Histomorphologie, z. B. granulomatöse Entzündung, verursachen.

Die multifaktorische Pathogenese der Autoimmunität

Neue Daten decken sich weitgehend mit dem Konzept, dass sich Autoimmunerkrankungen bei Menschen mit multiplen ererbten Risikofaktoren in Kombination mit Umwelteinwirkungen entwickeln. Einzelne Faktoren sind nicht ausreichend, um einen Krankheitsstatus zu induzieren. Es sind eher komplexe Genotypen, somatische Ereignisse und zufällige Umweltrisikofaktoren, die den Schwellenwert für den Ausbruch der Erkrankung überschreiten. Die Kombinationen aus erkrankungsrelevanten Faktoren kann von Patient zu Patient unterschiedlich sein, was die Komplexität der Pathogenese zusätzlich noch vergrößert. Aus der klinischen Perspektive würde ein solches Erkrankungsmodell besser zu der Erfahrung passen, dass Autoimmunerkrankungen durch eine Heterogenität in klinischem Muster, Verlauf und Behandlungsansprechen charakterisiert werden.

Die Aufklärung der pathologischen Ereignisse, die zu solch vielfältigen Krankheiten wie entzündlichen Gelenkerkrankungen, insulinabhängigem Diabetes mellitus oder multipler Sklerose führen, bleibt auch für die nächste Generation von Ärzten eine Herausforderung.


Quelle
Stites DP, Terr AI, Parslow TG (1997) Medical Immunology, 9th edition. Appleton & Lange, Stamford, CT, USA